Barbara Heinisch: Zitate aus der Presse

Gerhard Charles Rump: Geschlechterkampf

Gerhard Charles Rump: "Geschlechterkampf", ART INVESTOR 04/11
Es gibt Künstlerinnen und es gibt Künstler. Das ist irgendwie klar. Auch, dass es Galeristinnen gibt und Galeristen. Aber kann man das an ihrem Output erkennen? ... Kurzum: In den traditionellen Medien hat sich das spezifisch Weibliche nicht so sehr manifestiert, jedoch durchaus im Prozedere: Wenn Barbara Heinisch am Ende ihrer Malperformances die Leinwand aufschlitzt und das dahinter agierende Aktmodell durch die Öffnung tritt, ist das, als Geburtsmetapher, schon etwas sehr Weibliches. ...

F.Sygusch: Barbara Heinisch - Malerei als Ereignis

Frank Sygusch: "Barbara Heinisch - Malerei als Ereignis", Giessen-Server, 12.07.2008
"Die spontane, intime und ungeahnte Malerei von Barbara Heinisch ist experimentell in der Aktion und entwickelt sich als Ereignisprozeß entlang von Kommunikation und Interaktion, entbindet die Konzeptidee der Performance aus ihrer Gestalt und versucht Grenzen von Subjekt und Objekt, im Ereignis als Raumkunst, aufzuheben."

Michael Klant: Malerei als Ereignis

Michael Klant: "Malerei als Ereignis", Begleitheft zur DVD - Kunst in Bewegung -, Schroedel-/Hatje Cantz Verlag [www.hatjecantz.de/leseproben/3775714332_06.pdf], ZKM und artforum3, 2004
Barbara Heinisch: Die Liebe, 1983
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Die figürlichen Elemente des Expressionismus verbinden sich mit den Bewegungsspuren des Informel, wenn Barbara Heinisch ihre spontanen Pinselstriche auf die Leinwand wirft. Darin zeigen sich Gemeinsamkeiten zur Arbeitsweise einer Gruppe von Malerinnen und Malern, die Anfang der 1980er-Jahre als "Neue Wilde" auf sich aufmerksam machten. Doch die Bilder von Barbara Heinisch entstehen nicht einfach vor der Leinwand, sondern im Dialog mit einem Aktmodell dahinter."
Szenen aus einer Dokumentation von Jochen Heyermann über eine Malaktion in der Galerie Dibbert, Berlin, 14.05.1983. Col. / Ton / 3:06 min.

Daniela Tandecki: Die Geisttänzerin

Daniela Tandecki: "Die Geisttänzerin", Evangelische Kommentare 12/99
...Die machtvolle Vorstellung des Künstlers als einer Person,die als Aufklärer und Heiler zum Wohl der Welt und der Menschen fungiert und zu deren Erlösung beitragen kann, wurde bereits von Barbara Heinischs Lehrer Joseph Beuys unermüdlich, konsequent und überzeugend vertreten. So erklärte Joseph Beuys 1984 in einem Interview mit Friedhelm Mennekes:
"Das Element der Bewegung zu vermitteln ist die Hauptaufgabe. Während in der Gegenwart der Mensch in seiner seelischen Konfiguration in einer tiefen Erstarrung liegt, liegen auch die Gesellschaftssysteme in einer Erstarrung. Es ist also das Auferstehungsprinzip: die alte Gestalt, die stirbt oder erstarrt ist, in eine lebendige, durchpulste, lebensfördernde, seelenfordernde, geistfördernde Gestalt umzugestalten. Das ist der erweiterte Kunstbegriff."
Und das ist auch der Weg, den Barbara Heinisch auf ihre ganz eigene Art beschritten hat. Sie ist sich ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen, die im Mittelpunkt ihrer Arbeiten stehen, bewußt...

Birgit Adler: Zur Malerei tanzen

Birgit Adler: "Zur Malerei tanzen", Mainzer Rhein-Zeitung, 03.02.1990
...Wenn die Barrieren zwischen Kunst und Leben, Unvergänglichem und Vergehen in einer Performance gelungen eingerissen wurden, dann ist das mit den impulsgeladenen Kunstaktionen von Barbara Heinisch gelungen...

Jörn Merkert: Barbara Heinisch - Neue Bilder

Jörn Merkert: "Barbara Heinisch - Neue Bilder", Katalog: Neuer Berliner Kunstverein und Overbeck-Gesellschaft Lübeck, 1986
...Man wird dem künstlerischen Anliegen von Barbara Heinisch nur dann gerecht, wenn man erkennt, daß der Vorgang der Bildherstellung als solcher nicht nur ein mit Spannung aufgeladener Akt artistischer Equilibristik ist, sondern notwendiger Teil ihres Verständnisses von Kunst. Man mag ihrem Kunstbegriff vorschnell dem weiten Feld der Definition von "Kunst gleich Leben" zuordnen wollen, doch griffe dieses Raster zu kurz. Zugegeben zielt diese Begriffsbestimmung in positivster utopischer Weise auf die Überwindung nicht nur des traditionellen Kunstbegriffs, sondern auf die Überwindung gesellschaftlicher Zustände, in denen Kunst überhaupt noch nötig ist. Aber Barbara Heinisch hat diesen,wie es heute scheint, engen Ansatz schon längst wieder überschritten. Denn der Akt des Malens in der Kommunikation mit dem Modell zielt ja auf Verständigungsformen, die wir heute weitgehend vergessen haben; deren wir nicht mehr fähig sind; die wir allenfalls einerseits aus den ganz alten oder aber andererseits aus den im alltäglichen Sprachgebrauch immer noch als "primitiv" bezeichneten Welten erahnend noch kennen mögen. Ich meine die unverstellte, sinnliche Körpersprache, die es nicht nötig hat, in Rituale zu verfallen. Ich meine das Ausbrechen aus dem Gefängnis unserer zivilisierten Körperlichkeit. Denn dieses Gefängnis läßt unsere Erfahrungen von der Wirklichkeit nur noch in disziplinierter, kontrollierender, ausfilternder, verdrängender und recht eigentlich unerotischer Sinnenwahrnehmung an uns heran; es macht uns ein ganzheitliches Wahrnehmen und ebenso ganzheitliche, sinnliche Verarbeitung - und das heißt eben mit allen Sinnen - unmöglich. Ein artistisches Können, das dies alles aber möglich machte, hätte gerade in einer utopischen Gesellschaft, die keiner Kunst mehr bedürftig wäre, noch ihre lustvolle "Notwendigkeit" für alle ihre Mitglieder, ja, wäre per definitionem bruchloser Teil von ihr...
...Weniger denn je, so scheint mir, ist es für den Betrachter dieser Bilder notwendig, ihr Entstehen als Teilnehmer einer Malaktion selbst miterlebt zu haben. Notwendig bleiben allerdings für Barbara Heinisch die ständig neu herzustellen, neu zu lebenden Bedingungen, unter denen diese Bilder allein gemalt werden können. Mehr denn je teilt das"fertige" Bild dem hingebungsvollen Betrachter alles mit.

Heinz Ohff: Porträts aus Tanz und Gestik

Heinz Ohff: "Porträts aus Tanz und Gestik", Berliner Tagesspiegel, 19.03.1986
...Man hat solche eingefrorenen Gesten des öfteren mit den Abdruckbildern menschlicher Körper verglichen, die Yves Klein in den sechziger Jahren hergestellt hat. Aber der Vergleich bleibt äußerlicher Natur. Klein nutzte die nackten Mannequins wie Stempel - die menschlche Körperform als Ready-made, als natürliches Fundstück. Bei Barbara Heinisch ist Dramatik beteiligt, lebendige Aktion, sogar ein gewisses Pathos, die Feierlichkeit eines symbolhaften Vorgangs.
Sie tritt dabei einen Qualitätsbeweis besonderer Art an. Während die Häufung gleichartiger oder nahezu gleichartiger Bilder in den meisten Fällen das visuelle Interesse eher erlahmen läßt, scheinen sich diese Leinwände gegenseitig anzuregen. Sie putschen auch das optische Vermögen des Betrachters auf, der nie das Gefühl von Gleichförmigkeit bekommt, sondern dem sich das Miteinander der tänzerisch-gestischen Vorgänge wie eine Steigerung mitteilt. Eine Ausstellung wie ein Crescendo.

Claudia Jaeckel: Malerei als Kennenlernen

Claudia Jaeckel: "Malerei als Kennenlernen", TZ-München, 19.09.1985
...Barbara Heinischs Malerei kommt nicht einfach aus dem Bauch, darf nicht mit bloßem Sich-Austoben verwechselt werden. An die Stelle der narzistischen Tendenzen innerhalb der wilden Malerei setzt Barbara Heinisch - so explosiv ihre Malerei auch ist - die vorsichtige Annäherung...

Hanna Humeltenberg: Jenseits der Körpergrenzen

Hanna Humeltenberg: "Jenseits der Körpergrenzen", Kölner-Stadt-Anzeiger Nr. 40/32 16./17.02.1985
...Die Bilder von Barbara Heinisch sind Grenzüberschreitungen vom Ich zum anderen hin, radikale Dokumente einer Bejahung des Menschen und damit des Lebens mit all seiner Ambivalenz von Licht und Schatten...

Jürgen Schilling: Auf den Leib gemalt

Jürgen Schilling: "Auf den Leib gemalt", Braunschweiger Zeitung, 06.06.1981
...von Malerei mit Aufführungscharakter war schon früher die Rede, denkt man etwa an die öffentlichen Auftritte Jackson Pollocks, Yves Kleins und George Mathieus; die Aktionen von Barbara Heinisch haben jedoch eine eigene Qualität, sie spiegeln nicht lediglich eigene Emotionen wider oder bilden wortwörtlich ab, sondern sprechen vom Kontakt zwischen zwei Persönlichkeiten, die nur durch das dünne Netz getrennt sich miteinander beschäftigen.