Alexandra König: Der Ursprung der Malerei

Barbara Heinischs Gemälde sind voller expressiver Dynamik und aktionsgeladener Bewegung. Sie sind Ergebnisse einer Bildwerdung, zu der die Malerin in der Auseinandersetzung mit ihren Lehrern - Joseph Beuys an der Düsseldorfer Akademie und dann als Meisterschülerin von K. H. Hödicke in Berlin - ab den späten 1970er Jahren findet. Es gelingt ihr, das zu diesem Zeitpunkt bereits etablierte Format der Performance zu bereichern, indem sie das ephemere Geschehen der Performance wieder an das zweidimensionale Bild zurückkoppelt. Dazu lässt sie vor Publikum ein Modell hinter der Leinwand tanzend agieren, während sie selbst die Bewegungen auf der Vorderseite in Malerei umsetzt. Aus dieser Anordnung entstehen erstmals im Bereich der Aktionskunst klassische Gemälde, die zugleich den Prozess ihrer Entstehung dokumentieren...

...Denn das scheinbar Spontane, Eruptive des Malaktes, das begleitet und flankiert, ja herausgefordert wird von Tanz und oft auch von Musik, folgt einer festgelegten Choreographie. In der Wiederholung der Abläufe wird daraus eine Liturgie, bei dem jedem Akteur von der Malerin über die Tänzerin bis hin zum Publikum eine definierte Rolle zugewiesen ist. Wie eine Priesterin steuert die Künstlerin das Geschehen und ist selbst Teil davon. Das Rituelle äußert sich eben nicht in einem spontanen "passieren lassen", sondern in dem bewussten Prozess und dem einer festgelegten Choreographie folgenden Ereignis. Denn jeder Performance gehen neben der minutiösen Auswahl des jeweiligen Modells und der Musik als einem weiteren Part auch vorbereitende Gespräche und Studien im Atelier voraus...

... Die frühesten Kunstäußerungen der Menschheit haben seit ihrer Entdeckung die modernen Maler beeinflusst. Die tatsächliche Bedeutung der steinzeitlichen Kunst ist dabei bis heute nicht restlos entschlüsselt. Vielleicht helfen aber gerade künstlerische Analogien, unser Verständnis der frühesten Kulturen zu vertiefen. Aber auch wissenschaftliche Untersuchungen warten ständig mit neuen Erkenntnissen auf. Im Oktober 2013 veröffentlicht der Amerikaner Dean Snow, Anthropologe der Pennsylvania State University eine Untersuchung der Handabdrücke, die sich unter anderem in der Chauvet-Höhle in Frankreich neben Malereien von Mammuts, Pferden und weiteren Tieren wie Signaturen finden. Sie lassen sich zum Großteil als Abdrücke von Frauenhänden identifizieren. Der Ursprung der Malerei ist - weiblich.
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