Claire Valérie Zimmermann 2016

Claire Valérie Zimmermann 2016, Bachelar of Arts

Malerei als Ereignis - Barbara Heinisch | Zur performativen Ästhetik ihrer Bilder
Auszug aus der Hausarbeit zur Erlangung des Akademischen Grades Bachelor of Arts

...Das Gemälde, das aus der Performance im P.S.1 in Zusammenarbeit mit Arnette de Mille hervorgeht, trägt später den Namen The American Blue. Eine in sich kreisende, dunkelfarbig skizzierte Figurenkonstellation bildet das Motiv in diesem Werk. Im Folgenden soll die Leserichtung von links nach rechts vorgenommen werden, um einer besonderen Gewichtung vorzubeugen. Beginnen wollen wir mit der Gestalt unten links – die, wie wir bereits wissen, ebenfalls den Auftakt der Performance mimt. Die anfängliche Skizzierung einer Figur in schwarzer Tempera, die auf dem Boden kniet – sich mit der rechten Hand vom Boden abstützt, den Oberkörper leicht aufrichtet und dabei den linken Arm hinterrücks in die Höhe streckt – ist nach wie vor zu erkennen. Jedoch ist diese im vollendeten Bild nicht mehr die einzig denkbare Pose. Geschuldet ist dies der unmittelbaren Überlappung mit einer weiteren Gestalt, die sich aus dem Rücken der ersteren förmlich emporhebt. Es macht den Anschein als ziehe sich diese mit ihren Händen hinauf, zu einem »Loch« – das zugleich den Kopf des Körpers formt – um hindurch zu schauen. Überkreuzt wird diese Gestalt
von einem anderen Leib. Aus der Brust der zuvor beschriebenen Figur schält sich der Kopf von dieser. Getränkt von roter, gelber bis hin zu orangener Farbe geht der Hals über in den Arm, der wie eine Feuerflamme hinaufflackt. Angesichts der vielschichtigen Überlagerungen der Strichführungen lässt sich bereits der Rumpf schon nicht mehr eindeutig zuordnen. Dieses figürliche Arrangement ist zum Teil in einem graublauen Ton gefasst, zum Teil ziert aber auch das bloße Leinen die Körper. Umrissen sind diese in Königsblau, sowie Rot, Gelb und Orange. Durch jene Umrandungen scheinen die Gestalten in Schwingung zu geraten – als würden sie sich von der Leinwand abheben und flüchten wollen. Hervorsticht indes die rechts anschließende, baumstammförmige Kaschierung des Risses. Heinisch hat die Leinwand hierfür nachträglich auf eine weitere aufgespannt und hat den Schnitt farblich gestaltet.81 Jedoch wirkt dies nicht wie retuschiert. Es fügt sich dem Szenario. Wenngleich es sich so darbietet, als wolle sich die dunkelrot-bräunliche Masse durch die Öffnung herauspressen. Die Arme, die den oberen Bereich des Schnitts spitzzulaufen umfassen wie ein Dreieck, erwecken den Eindruck als wollen sie gegenhalten – verhindern, dass die Leinwand weiter einreißt. Im unteren Bereich dieses »Zwischenraums« könnte man meinen, zu erkennen, wie eine Gestalt aus diesem hinaustritt – oder aber von ihm verschlungen wird. Sie greift mit ihrer Hand in eine Figurenkonstellation, die man rechts von diesem »Geschehen« erblickt. Wie in einem dichten
Gedränge, geht eine Gestalt über in die nächste. Aus der Figuration erstrecken sich in alle Richtungen Hände und Arme. Sind in dem oben aufgeführten Teilbereich die Körperkonturen nahezu geradlinig skizziert, verschwimmt die Konturenschärfe auf dieser Seite mehr und mehr. Die Silhouetten sind nunmehr angedeutet, in mehrfachen unruhigen Linienführungen, partiell abrupt endend. Auf sich aufmerksam macht eine rot-orangene, senkrechte Linie, die die Gruppierung zusammenhält – als würde sie diese »auffädeln«. Durch den Rumpf der einen Gestalt, durch zwei weitere Köpfe und eine Schulter hindurch, ragt die Senkrechte in die Höhe. Darüber hinaus mutet es so an, als würde durch diese Farbe in die jeweiligen Körper fließen, wenn auch nicht so farbenprächtig. Ein helles Grau füllt zum Teil eine Gestalt, wohingegen sich der Kopf und die Schulter
einer anderen rosa färben. Richtet man nun den Blick wiederum gen Bildmitte wird auffällig, dass eine Figur aus dieser Konstellation hinaus gestoßen wird. Oder zieht man sie im Gegenteil heran? Deutlich wahrzunehmen ist dies nicht. Durch die Überlagerungen der Linien wird der Blick irritiert und gerät in ein ständiges Oszillieren.82 Somit fällt eine klare Zuordnung schwer. Es entsteht ein gewisses Spannungsverhältnis, was dazu führt, dass der Betrachter seinen Blick Hin und Her, nach Oben, nach Unten, schweifen lässt – im Tenor der Gesamtkomposition, die sich stets im Kreis zu bewegen scheint....
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The American Blue MoMA P.S.1, N.Y. 1982