Rainer Volp 1993

Prof. Dr. Rainer Volp, Philosoph, Kunsthistoriker

Auszug aus dem Katalog Bilder vom Anderen der Konrad-Adenauer-Stiftung

... Am Anfang stand das Selbstbildnis. Als Aufgabe von ihrem Lehrer Horst Hödicke an der Hochschule der Künste im Jahre 1975 gestellt, reizte sie der Widerspruch - sie zieht sich ein rot gespritztes Bild auf Papier über den Kopf, verleibt sich dem Bilde ein. Später legt sie Maltücher über ihr Gesicht und ertastet es mit Fingerfarben. Sie greift das Verfahren der Masken auf, der Nesselstoff auch vor anderen wird zur atmenden Leinwand, bildet ein Körperrelief aus....
Die Künstlerin ahmt keine Körperbewegung nach, sie chiffriert vielmehr mit den Entdeckungen von Kraftströmen des anderen Menschen unsichtbare, ‚göttliche‘ Bewegungen der Empathie, sie ‚mimt‘ das Unsichtbare, das sie sichtbar macht, es entsteht ein asymmetrischer Dialog mit einer ganz anderen Ebene der Existenz, die wir nicht kennen, von der her aber Leben liebend gewährt wird....
Im Bild WandlungsZeichen entstanden auf einem Therapie-Kongreß in München 1993, verdichtet sich die Gestik der permanenten Umkehr konsequent in Metaphern zwischen Tod und Leben: zwischen der wie von oben herabfahrenden Todesfigur in Grätschenstellung (links) und der weiterschreitenden Lebenshoffnung (rechts), beide durch den Riß der Wandlung markiert. Ihre Wandlung ermöglicht den ständig neuen Versuch der Individuation in der Mitte, der sich spannungsreich (violett) gestische Figuren schöpferisch nähern und von ihr lösen. Gesundung, in roten situativ unterschiedlich gelagerten Kraftströmen angedeutet, gelangt im Zentrum immer nur zu einer vorübergehenden Ruhe...
Gesamte Rezension "Malerei zwischen Mimesis und Maske" [820 KB] lesen















Wandlungszeichen